Carla und der Karneol (Leseprobe 7 von 8)
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Alle Texte unterliegen dem Copyright © 2025 Oliver Bender
Juliana und Sebastián, Peru (Teil 7 von 8) wird fortgesetzt
Währenddessen hatte Señor Rodríguez das Papier ausgewickelt und gelesen. Die beiliegende Goldmünze machte alles noch sehr viel mysteriöser! Was war das nur für eine Prägung? So etwas hatte er noch niemals gesehen, aber zugleich hatte er den Eindruck, dass die Münze einen hohen Wert haben müsse - zumindest, wenn es tatsächlich echtes Gold wäre. Nachdenklich machte er sich auf zum Regal mit den CD-Playern. „Aber hier ist doch alles in Ordnung“, dachte er bei sich, als er die Geräte vor sich liegen sah. Schließlich nahm er eines und betrachtete es genauer. Aber was war das??? Ringsherum war das Gerät fein säuberlich aufgetrennt. Es gab nun eine obere und eine untere Hälfte des Gehäuses, das nun einfach aus zwei unverbundenen Teilen bestand, sodass der untere Teil in seiner linken Hand blieb, während er den oberen Teil mit seiner rechten anhob. Der Schnitt beider Hälften verlief extrem gleichmäßig, wie es höchstens durch präzise, stationäre Maschinen möglich gewesen wäre. Nach und nach stellte er dasselbe bei allen Playern fest. Señor Rodríguez war sich sicher, dass selbst ein Profi diese Präzision bei ihnen im Laden nicht hinbekommen hätte. Und was war das Motiv, alle ausgestellten Geräte in der Mitte aufzutrennen? Wie äußerst seltsam!! Und was war mit dem Mädchen? Das konnte sie unmöglich selbst gemacht haben. Wie schade, dass sie einfach geflüchtet war, sie war wohl die Einzige, die es hätte aufklären können.
Señor Rodríguez wandte sich der Münze zu, die hochglänzend golden funkelte. „Sieht tatsächlich echt aus, und bei dieser Größe …“. Er ging zum Computer, rief die Webseite eines Goldhändlers auf und verglich seine Münze mit ähnlich großen und den Preisen des Goldhändlers. Da wurde ihm schnell klar, dass diese Münze sehr viel mehr wert war, als alle beschädigten CD-Player zusammen. „Unfassbar mysteriös“, murmelte er vor sich hin, als er einen Schrei aus dem offenen Bereich des Einkaufszentrums vernahm. Dieser Bereich, der einen großen Freiraum bildete und sich über alle Stockwerke erstreckte, nannte man „Atrium“. Es war im Erdgeschoss mit Cafés, Springbrunnen, Pflanzen, Massage-Sesseln und anderen Attraktionen ausgestattet. Señor Rodríguez umklammerte seine Münze, während er die Galerie vor seinem Geschäft betrat und ein seltsames Schauspiel vorfand.
Als Juliana sich in Richtung der Toiletten in Sicherheit bringen wollte, war Kaelen mit seinem Antigravitations-Antrieb ein Stück weit hinter ihr hergeflogen, da er nicht wusste, was sie vorgehabt hatte. Ihre plötzliche Flucht hatte ihn überrascht, und er wollte sichergehen, dass alles einen guten Abschluss fände. Als er merkte, dass Juliana wohl eine Zeit lang im Raum mit den Toiletten bleiben würde, versetzte er sich innerlich in die Lage der beiden Geschwister.
Für sie mussten viele der Möglichkeiten, die die Raumfahrer-Crew zur Verfügung hatten, unbegreiflich sein. Beispielsweise hatten die Kinder nicht wissen können, und auch nicht mitbekommen, dass die Transportkabine mehr als ein einfacher Behälter war. Menschen von Terra hätten sie als wahre Wunderkammer betrachtet. Sie enthielt nicht nur Spezialanzüge mit eingebautem Antigravitations-Antrieb, sondern war auch in Bezug auf wichtige Eigenschaften mit derselben Technologie wie das Raumschiff ausgestattet. So konnte die Transportkabine als autarkes Transportmittel dienen. Was die meisten Menschen auch kaum glauben konnten, bis sie es erlebten, war die Fähigkeit der Crew und ihrer Technik, sich für Menschen unsichtbar zu machen. Und das dahinter stehende Prinzip verstanden sie oft falsch, weil sie nicht erkannten, dass sehr viele Außerirdische, so wie auch Kaelen, Veraya und die anderen einfach eine wesentlich höhere Eigenschwingung hatten. Jeder Körper, ja jedes Molekül und Atom, schwang in einem bestimmten Frequenzbereich. Wenn diese „Eigenschwingung“ jedoch einen bestimmten Wert überschritt, konnten die Menschen dies nicht mehr wahrnehmen, da die Schwingungen außerhalb des Wahrnehmungsspektrums ihrer Augen lagen. Im Prinzip war es also eine natürliche Begleiterscheinung einer deutlich höheren Schwingung, die diese „Unsichtbarkeit“ bewirkte. Und es bedurfte einer technischen Vorrichtung, diese Frequenzen für eine Zeit so herunterzutransformieren, dass die eigentlich hoch schwingenden Wesen, aber auch ihre technischen Einrichtungen eine tiefere Frequenz ausstrahlten und so für menschliche Augen sichtbar wurden. So gesehen wurde also keine „Unsichtbarkeit“ erzeugt, da die höhere Schwingungsfrequenz der natürliche Zustand höherdimensionaler Wesen und Gegenstände war. Stattdessen wurde „Sichtbarkeit“ erzeugt, ein herunter transferierter Frequenzbereich, in dem sie auch durch die Sichtorgane der Wesen aus tieferen Dimensionen wahrgenommen werden konnten.
Doch wollte Kaelen nicht länger untätig warten. Juliana war auf der Toilette ja nicht in Gefahr. Daher flog er mit seinem Antigravitations-Antrieb ein Stück zurück. Als er um eine Ecke biegen wollte, wäre er beinahe mit einer großen Dogge zusammengestoßen! Er hatte nicht mit Schwierigkeiten gerechnet, sonst wäre er von Anfang an höher geflogen. Nun aber hatte sich das Tier dermaßen erschreckt, dass es wild zu bellen anfing. Offensichtlich hatte es auch schon den Geruch von Kaelen aufgenommen, denn die Dogge schnappte immer wieder zielsicher nach ihm. Nur der Sicherheitsautomatik seiner technischen Ausrüstung verdankte er, dass sein Triebwerk genau in diesen Momenten mit einem Extraschub reagierte und die Dogge ihn jeweils knapp verfehlte. Das Ganze hatte sich inzwischen zu einer wilden Verfolgungsjagd entwickelt, da sich die Dogge von ihrem Herrchen losgerissen hatte und dem unsichtbaren, aber riechenden Etwas nachjagte.
Señora Sánchez arbeitete seit 8 Uhr in der Frühe in ihrem Jeans-Store und bereitete sich nun auf ihren wohlverdienten Feierabend vor. Sie war erleichtert, dass der freie Abend nun näher rückte. Wie sehr hatte sie sich darauf gefreut, heute mit ihrem Mann ins Theater zu gehen … Nur noch diese letzte Ecke nass aufnehmen, dann hätte sie es für heute geschafft.
Doch was war das? Irgendeine wild gewordene Bestie sprang auf dem noch nassen Boden herum und schnappte wie wild in der Luft. Nach nichts! Señora Sánchez wunderte sich sehr, was war nur mit diesem Hund los? So schnell wie hier alles ablief, konnte sie gar nicht schimpfen. Jetzt rutschte der Hund auch noch auf der Seifenlauge aus, schlitterte gegen eine junge Frau, die daraufhin schreiend zu Boden stürzte und versuchte, sich im letzten Moment am Rand des Eimers mit dem Putzwasser festzuhalten. Doch das konnte nicht gelingen, da der Eimer nachgab, umkippte und sich das Putzwasser über den unsichtbaren Kaelen und den Gang ergoss. Kaelen, der ein paar aufregende Momente durchaus zu schätzen wusste, war ein Draufgänger, der gelegentlich einen Abenteuer-Kick suchte. Statt Furcht vor der Dogge hatte er sich auf das Katz-und-Maus, oder besser gesagt das Hund-und-Mensch Abenteuer eingelassen. Einfach höher zu fliegen, hätte ihn um diese Gelegenheit gebracht. Allerdings war er ein mitfühlendes Wesen, und als die junge Frau ausgerutscht war, merkte er, dass er zu weit gegangen war. Außerdem hatte er den Wasserschwall abbekommen und geriet so in die Gefahr, sichtbar zu werden. Daher entschied er sich, von nun an im leeren Luftraum des Atriums zu fliegen. Das von ihm abtropfende Wasser landete allerdings als Tropfen auf den Köpfen und in den Kaffeetassen der Damengruppe, die sich im darunter liegenden Restaurant im Erdgeschoss zu Kaffee und Kuchen getroffen hatten. „Wie kann es sein, dass es hier regnet?“, fragte eine von ihnen, „Das Dach ist doch immer geschlossen!“
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