Carla und der Karneol (Leseprobe 6 von 8)
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Alle Texte unterliegen dem Copyright © 2025 Oliver Bender
Juliana und Sebastián, Peru (Teil 6 von 8) wird fortgesetzt
Während Kommandant Arionis seinem Team die Anweisung gab, sich ins Raumschiff zu begeben und alle Außenlichter zu löschen, radelten Sebastián und Juliana zum Einkaufszentrum, auf einem Weg, für den sie etwa 15 Minuten rechnen mussten. Sebastián war so geistesgegenwärtig gewesen, die Sparschweine mitzunehmen, die er und seine Schwester von Onkel Albert geschenkt bekommen hatten. Onkel Albert lebte in Deutschland und er besuchte sie nur sehr selten, aber wenn er bei ihnen war, war er sehr großzügig. Albert wusste, dass sich in seinem Sparschwein 400 Sol befanden, der peruanischen Währung, die offiziell ‚Peruanische Nuevo Sol‘ hieß. Da er selbst in den vergangenen Monaten nochmals etwa 200 Sol dazugetan hatte, die er von Familie Rivera als Dank für seine Mithilfe bei der Avocado-Ernte erhalten hatte, musste er etwa 600 Sol in seinem Sparschwein haben. Soweit er wusste, hatte seine Schwester das Geld von Onkel Albert auch noch nicht ausgegeben, sodass sie vermutlich etwa 1000 Sol bei sich hatten.
Sebastián fuhr voraus und Juliana folgte ihm in wenigen Metern Abstand. Am Einkaufszentrum angekommen ging Sebastián direkt zu einem Laden im 3. Stockwerk, der mit ‚Comercio de radio, Television y electrónica‘ angeschrieben war. Wie immer war auch heute das Musikprogramm einer lokalen Radiostation durch die Lautsprecher zu hören. Sebastián war ein Technik-Fan, daher kannte er sich hier gut aus und wusste sofort, wo sich die tragbaren CD-Player befanden. Zehn verschiedene Geräte lagen zur Ansicht nebeneinander ausgestellt, jedes mit einer Nummer versehen. Etwas unschlüssig fragten sich die beiden, wie es jetzt weitergehen sollte. Alle Verkäufer waren offensichtlich mit der Beratung anderer Kunden beschäftigt. Das konnte vielleicht sogar ein Vorteil sein! Juliana öffnete vorsichtig ihren Rucksack und stellte verwundert fest, dass Veraya und Kaelen bereits aus ihrem Behälter ausgestiegen waren und nun aus dem Rucksack heraus schwebten, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. Auch Sebastiáns Augen weiteten sich, als er die beiden auf die Geräte zu schweben sah. Wie gut, dass sich niemand sonst in ihrer Nähe aufhielt, denn wie leicht hätten die beiden sonst entdeckt werden können! Doch kaum hatte er das gedacht, verschwand erst Veraya und dann auch Kaelen von einem Augenblick auf den nächsten. Sie waren einfach nicht mehr da, als hätten sie sich in Luft aufgelöst! Sebastián und Juliana schauten sich erstaunt an und wussten nicht, was sie davon halten sollten, als Sebastián die Stimme von Veraya hörte. Sie musste sehr nahe an seinem Ohr sein und laut hineinrufen, um ohne eigenen Stimm-Verstärker die Musik zu übertönen. Für einen kurzen Moment war er erschrocken zusammengezuckt. Nun glaubte er, auch Verayas sanfte Fußabdrücke auf seiner Schulter zu spüren, während sie ihm das Übersetzungsgerät nahe ans Ohr hielt und ihm mitteilte, dass alles in Ordnung sei, und die beiden Raumfahrer nun eine Weile alleine zurechtkämen. Um die Aufmerksamkeit der Leute im Laden nicht auf sich zu lenken, wäre es das Beste, wenn er und seine Schwester sich andere Geräte anschauten und evtl. die Verkäufer von den CD-Player-Regalen ablenkten. Sebastián hatte verstanden und flüsterte ein kurzes „Ok“. Als er merkte, dass sich die kleinen Schuhe von seiner rechten Schulter wieder lösten, wandte er sich seiner Schwester zu und bedeutete ihr mit seinem Blick, dass sie sich an eine andere Stelle begeben sollten. Juliana nickte kurz und folgte dann ihrem Bruder, der sich zu den Regalen mit den Handys und Spielkonsolen begab. Interessiert schauten sie sich die Geräte an und schielten gelegentlich in Richtung der CD-Player-Regale. Was sich dort abspielte, war allerdings mehr als sonderbar! Eben noch hatte Sebastián vor dem ersten Gerät der Reihe, einem silberfarbenen Modell gestanden und nun lag es nicht mehr da! Es war einfach nichts mehr davon zu sehen! Ungläubig den Kopf schüttelnd, wandte er sich wieder den Spielkonsolen zu und betrachtete sie einen Moment. Juliana war zu ihm gekommen und flüsterte ihm unauffällig zu: „Ich habe gesehen, dass du dich erschrocken hast, als die beiden unsichtbar wurden. Aber das Raumschiff selbst war am Anfang auch nicht sichtbar! Irgendwie hat es geflackert, dann war mal etwas zu sehen und dann wieder nicht. Deshalb bin ich ja in den Garten gegangen. Zum Schluss ist es dann sichtbar geblieben, so wie wir beide es gesehen haben.“ „Schon ein bisschen spooky, das Ganze! Aber die UFO-Leute sind so freundlich und natürlich, irgendwie vertraue ich ihnen … und ich habe sofort gewusst, dass wir ihnen helfen müssen. Aber diese Unsichtbarkeits-Masche … irgendwie cool und gruselig zugleich!“ Kurz danach fügte er hinzu: „Übrigens habe ich unsere beiden Sparschweine mitgenommen, damit wir die Geräte kaufen können“.
Als Sebastián wieder zu den CD-Playern schaute, lag das silberne Gerät wieder ordentlich an seinem Platz, aber das zweite und dritte war verschwunden … So ging es weiter, bis alle Geräte durch waren.
Plötzlich spürte er, dass Veraya wieder auf seiner Schulter stand. „Wir sind fertig“, teilte sie mit, „bitte kaufe vier neu eingepackte Geräte der Nummer 5. Das solltest du alleine tun, Juliana müssen wir um einen anderen Gefallen bitten“. Sebastián bestätigte kurz, dass er verstanden hatte. Er sah, dass die Geräte jeweils 198 Sol kosteten, öffnete den Plastikverschluss unter den Sparschweinen, zahlte den Betrag von 792 Sol und versorgte die Geräte in seinem Rucksack. Als er kurz zu seiner Schwester hinüberschaute, sah er, wie sie etwas auf einen Notizzettel kritzelte. Aber er wandte sich wieder von ihr ab, schließlich wollte er durch seine Neugier keine Schwierigkeiten verursachen.
Juliana hatte Besuch von Kaelen, der sie bat, eine kurze Nachricht zu notieren: „Dies ist ein Ausgleich für die Schäden an den ausgestellten CD-Playern. Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten!“ Dafür hatte sie eine Doppelseite aus ihrem Schulheft verwendet und nahm nun etwas entgegen, das Kaelen in ihre Hand drückte. Erst als Kaelen es losgelassen hatte, erkannte sie, dass es eine Art Goldmünze mit seltsamen Symbolen war. Erstaunlich, dass er eine solche, für ihn schwere Münze scheinbar mühelos hatte tragen können. „Wahrscheinlich nimmt er irgend so ein Antigravitations-Gerät zu Hilfe“ dachte sie.
„Aber das ist doch sicher zu viel“, flüsterte Juliana, als sie spürte, dass Kaelen wieder auf ihrer Schulter stand. „Das ist schon ok so!“, entschied Kaelen, „Aber es ist wichtig, dass der Geschäftsführer es erhält! Bitte zeig es niemandem, wickle es in das Papier ein und frage nach dem Geschäftsführer.“ Juliana war so etwas nicht gewohnt, aber jetzt, da die Situation es erforderte, würde sie es wagen. Mutig sprach sie einen Mitarbeiter an: „Ich möchte gern mit dem Geschäftsführer sprechen, können Sie ihm das bitte sagen?“ „Warum, ist denn etwas nicht in Ordnung?“, fragte der Mitarbeiter. „Doch doch, es ist alles in Ordnung!“, antwortete Juliana, die bei dieser Frage ein bisschen rot geworden war. „Also, ich werde nach ihm schauen“ meinte der Mitarbeiter und ging zur Tür mit der Aufschrift: „Solo para el personal“. Kurze Zeit später kam ein etwas rundlicher, ernst, aber freundlich schauender Mann aus der Tür, der sich als „Señor Rodríguez“ vorstellte, dem für dieses Geschäft verantwortlichen Filialleiter. Nun wurde es doch noch schwierig für Juliana, denn als sie versuchte, mit ihm zu sprechen, fühlte sie sich unsicher und suchte nach Worten. „Die, die CD-Player…, wir mussten sie äh, untersuchen. Wenn etwas nicht in Ordnung sein sollte, nehmen Sie dies bitte als Ausgleich! Damit drückte sie dem Mann das zusammengewickelte Blatt Papier mit der Goldmünze in die Hand. Der verdutzte Filialleiter verstand nicht, worum es wirklich ging. Aber als er das Papier öffnete, verschwand Juliana in Blitzes Eile, bevor er etwas hätte sagen können, lief aus dem Geschäft auf die Galerie und dann zu den Toiletten, wo sie sich versteckte. Erst nach etwa fünf Minuten getraute sie sich langsam, wieder zum Vorschein zu kommen. Sie wusste, dass es unwahrscheinlich war, dass die Mitarbeiter des ‚Comercio de radio, televisión y electrónica‘ sie hatten verfolgen können, denn niemand war auf die Verfolgung einer Kundin vorbereitet. Wahrscheinlich würde sie für den Rest des Lebens - oder zumindest ein paar Jahre lang - dieses Geschäft nicht mehr betreten, so peinlich war ihr die Sache.
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